6 Monate "Shopping Ban" - Mein halbes Jahr in dem ich "nichts" kaufte
- Evelin E.
- 13. Juli 2025
- 4 Min. Lesezeit
Im Herbst 2024 stolperte ich über ein Buch, dass ich förmlich in mich aufsog und anschließend beschloss, mich auf eine ähnliche Reise, wie die Autorin zu begeben. In "The Year of Less" (Deutsche Ausgabe: Weniger haben, mehr leben) teilt Cait Flanders ihre Erfahrungen aus dem Jahr, in dem sie ihr Zuhause radikal ausmistete, nur nach bestimmten Regeln einkaufte, lernte Geld zu sparen und das Glück im "Weniger" anstatt in "Dingen" fand.
Ich interessiere mich schon seit Jahren für Themen wie Nachhaltigkeit, Home Decluttering, Minimalismus und Minimal Waste. Als ich Ende 20 noch allein in meiner 1-Raum-Wohnung in Berlin Friedrichshain wohnte, konnte ich gleich um die Ecke im Zero Waste Laden meines Vertrauens einkaufen und wusste, wo ich vor Ort faire nachhaltige Kleidung bekam. Mit 30 wurde ich Mama und - nunja - mein Fokus verschob sich von minimal zu möglichst praktisch und wir schafften uns als Familie doch mehr Dinge für unser Kind an, als wir uns jemals hätten vorstellen können.
Heute ist unser "Baby" fast 6 und vieles hat sich geändert. Ich arbeite nicht mehr im Büro im Online-Marketing, sondern bin seit letztem Jahr selbständige Yogalehrerin sowie im Einzelhandel tätig. Und ja, eigentlich bin ich auch mit Leib und Seele Spirituelle Mentorin für Frauen. Nach mehreren Jahren des "Probierens", musste ich mir Anfang 2024 jedoch eingestehen, dass ich es bisher nicht geschafft hatte, in dieser Rolle ein stabiles Einkommen zu erzielen. Deshalb darf diese Selbständigkeit aktuell ruhen und sich neu sortieren.
Also zurück zum letzen Herbst: Nachdem ich Caits Buch verschlungen hatte, beschloss ich meinen eigenen Shopping Ban zu durchlaufen - 6 Monate nur nach bestimmten Regeln einkaufen.
Was war mein Antrieb?
Ich wollte mit dem kleinen Einkommen, das ich aus meinem Mini Job und den Anfängen meiner Tätigkeit als Yogalehrerin erhielt, meinen Lebensunterhalt finanzieren. Damit dies klappte, würde ich meine Ausgaben sehr reduzieren müssen und "nur für das Geld ausgeben, was ich wirklich benötige und was mich erfüllt" - schrieb ich in mein Notizbuch. Zu der Frage, was ich gerade will, schrieb ich außerdem Folgendes:
Ultimativ möchte ich für Erlebnisse, die mich erfüllen, Geld beiseite legen, z.B. Urlaube, Ausflüge, Zeit mit Freunden & Familie sowie Ausbildungen in Präsenz, die meine aktuelle Tätigkeit untermauern und bereichern, z.B Somatic Yoga, Yin Yoga.
Ich möchte lernen, mich von Dingen/Kosten zu lösen, die mir (geglaubte) Sicherheit vermitteln und erfahren, wie es sich anfühlt, ohne diese Dinge/Sicherheit zu sein, z.B. Ausgaben bzgl. meiner Coaching-Selbständigkeit.
Ich möchte mich um weniger Dinge im Leben kümmern. Weniger Mails, weniger digitale Services, weniger digitale Produkte… und mehr Zeit für die Interaktion mit Menschen im echten Leben haben.
Liest sich gut, oder? Im Praxis-Kapitel in Caits Buch stand außerdem die folgende Frage: "What do I want to get out of this life?". Wie ich die beantwortet habe, willst du wissen? Ich will es dir sagen: Aktuell ist es meine Mission, Menschen zu berühren. Menschen ihre Einzigartigkeit aufzuzeigen und sie in Verbindung mit ihrem Körper und dessen Weisheit zu bringen.
Diese Zeilen nun einhalbes Jahr später wieder zu lesen, berührt mich. Denn in den letzten Monaten durfte ich immer mehr Menschen mit Yoga erreichen - mit meiner Stimme, meinem Yogastil und den gewählten Themen Menschen auf ihrer Yogamatte und in ihrem Leben begleiten. Was für eine Ehre. Hierbei geht es nicht immer ums Geld - natürlich aber auch - sondern um die Veränderung, die ich damit bewirken kann - an dem Ort, an dem ich lebe und nicht irgendwo in den Weiten des World Wide Web.
Meine Shopping Regeln
Okay, du willst bestimmt wissen, was ich kaufen durfte und was nicht und ob ich es geschafft habe. Starten wir mal so: Die Regeln für meinen Shopping Ban habe ich selbst erstellt. Dafür gab es 2 Listen.
Liste 1 - Was ich nicht kaufen darf
Diese Regeln basieren teilst auf dem Buch, teils habe ich mir hier spezifische Dinge herausgesucht, die ich in der Vergangenheit gerne konsumiert habe. Jedoch bin ich zu dem Schluss gekommen, dass einige davon - wie beispielsweise Onlinekurse - sehr viel Geld & Zeit in Anspruch nehmen und mich oft auch von meinem aktuellen Fokus ablenken. Mein Fokus lag auf meiner Familie, meinem Mini-Job und dem Voranbringen meiner Selbständigkeit als Yogalehrerin. Außerdem wollte ich die kostbare Zeit für mich selbst lieber präsent mit mir verbringen, als mich schon wieder in etwas Neues zu stürzen oder abzulenken. Hier kommt meine Liste der Dinge, die ich nicht kaufen wollte:
Onlinekurse jeglicher Art, Apps, Online-Abos
Deko, Küchenutensilien
Kleidung, Schuhe, Accessoires
Möbel
Bücher, Kartensets, Journals, Schreibsachen
Blumen & Pflanzen - ausgenommen Saatgut
Liste 2 - Was ich kaufen darf
Hier habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was ich wirklich "brauche" und was mir darüber hinaus wirklich "wichtig" ist. Hier kommen meine originalen Notizen:
Lebensmittel
Drogerie-Basics, wenn aufgebraucht: Tampons/Slipeinlagen/Binden (ich nutze, wenn möglich meine Periodenunterwäsche), Duschbad, Haarwaschmittel, Deo, Zahnpasta, Zahnbürste, Gesichtsöl, Toilettenpapier
Medikamente/Nahrungsergänzungsmittel → bevorzugt nutze ich eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und pflanzliche Hausmittel, um mich gesund zu halten.
Restaurant/Café-Besuche mit Freunden & Familie → für einen bestimmten Betrag/%-Satz pro Monat?
Fahrkarten → wenn möglich nutze ich mein Fahrrad oder gehe zu Fuß → Mein Ziel ist es, dass ich mir wieder eine Monatskarte leisten kann.
Geschenke
Familienplaner 2025, Tischplaner 2025
Online-Mitgliedschaften: Nervensystemakademie, Bibliotheksausweis
Für unser Kind: Kitabeitrag, Kleidung (zu klein gewordene Kleidung ersetzen), Schuhe, Kursgebühren, Freizeitaktivitäten
Business: virtuelle Adresse (check jährliche Zahlweise!), Reaktivierung Zoom (bei Bedarf)
Ob ich es tatsächlich geschafft habe, mich ein halbes Jahr lang an meine selbst aufgestellten Regeln zu halten, erfährst du im nächsten Beitrag.

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